Sydney, Part 1

(Bilder aus Sydney gibts hier.)

Weiter geht es also mit Sydney, wo ich am Freitagmorgen (13.04.) nach 14 Stunden Zugfahrt angekommen bin.
Empfangen wurde ich von Aaron (um 7 Uhr morgens), den ich über couchsurfing.com getroffen habe.

Aaron


Und hier muss ich eine Lanze für couchsurfing.com brechen. Es ist fantastisch!

Dabei handelt es sich um eine Internetcommunity, die sich dem Reisen verschrieben hat. Mitglieder geben an, wo sie wohnen und ob sie eine freie Couch haben oder ob sie Herumreisende einfach mal ihre Stadt zeigen möchten. Nachdem man also die Profile gelesen hat, kann man sich entscheiden, ob man den ‚couchsurf’ wagen will und schreibt die Leute einfach an, die dann entscheiden, nachdem sie das Profil des Bewerbers gelesen haben, ob sie Zeit und Platz haben, jemanden zu beherbergen. Alles ist interaktiv. Das heißt, die Profile enthalten Bewertungen und Referenzen anderer Mitglieder, die einen bereits getroffen haben, so ähnlich wie bei ebay, nur dass statt Waren Menschen angepriesen werden. Das Ganze funktioniert hervorragend und ist mehr als nur eine temporäre Mode: es sind über 240 000 Mitglieder registriert in so ziemlich allen Ländern (217!) dieser Welt.
Vielen Dank an das Pillhuhn, das mich dazu gebracht hat, es einfach mal auszuprobieren.

Man lernt viele interessante Leute kennen, die zum Teil seit Jahren in der Stadt leben und ziemlich viel herumgekommen sind, was sich meistens in einem sehr umgänglichen Charakter ausdrückt. Außerdem ist das gegenseitige Vertrauen ungewöhnlich hoch, vor allem wenn man bedenkt, dass man sich im Grunde ja nicht kennt und man erst mal einem Fremden gegenüber steht. Ich schätze mal, dass diese Menschen einfach wissen, wie es ist herumzureisen und das schon kleine Dinge wie ein sauberes Zimmer, eine warme Dusche oder einfach Insider-Tipps für die lokale Umgebung für Herumreisende extrem viel bedeuten. Außerdem ist es eine einfache Möglichkeit, Leute von außerhalb zu treffen und sich mal quasi als Tourist in der eigenen Stadt zu fühlen.

So hat mir Aaron die Schlüssel zu seinem Haus gegeben, dass in der Woche darauf renoviert werden sollte, wodurch es komplett leer stand. Nachdem er einen Kaffee mit mir getrunken hat und mir eine Karte von Sydney mit den besten Reisezielen gezeichnet hat (!), ist er zur Arbeit gegangen und hat mir einen guten Tag gewünscht.

Aaron's place


Das ist ziemlich unglaublich. Ich meine, er kannte mich nicht und hat mir gleich die Schlüssel zu seiner Wohnung gegeben, wo ich alles Mögliche hätte anrichten können. War ich anfänglich noch skeptisch ist meine Haltung in Begeisterung umgeschlagen. Zurück in Deutschland werde ich auf jeden Fall versuchen eine Couch anzubieten.

Ich hatte also den gesamten ersten Tag noch vor mir und bin durch Sydney gelaufen. Die Stadt ist sehr unterschiedlich zu Melbourne. Nicht durchgeplant, keine Karomuster und wesentlich mehr im Sinne einer europäischen Stadt, die sich entwickelt hat und nicht geplant wurde. Aaron hat mir erzählt, dass die Briten nur wenig Interesse an einem wohldurchgeplanten Sydney hatten, da es sich aus ihrer Sicht nur um eine Sträflingskolonie handele, die nicht gut aussehen müsse. So sind beispielsweise die Straßen einfach über die alten Aborigine-Pfade gelegt worden und die Gebäude hochgezogen worden, wo gerade Platz war.





dogsmap
Über den Botanic Garden bin ich dann zum Opera House gegangen, natürlich dahin, wo alle Touristen hingehen. Aber nur weil es alle machen, heißt das noch lange nicht, dass es schlecht ist oder gut. Eigentlich heißt es gar nichts. Das ist wie wenn man die Wichtigkeit von Medizin oder Jura mit ihren überquellenden Anfängerzahlen korreliert.
Jedenfalls gibt es Bilder dazu…

Das Opera House ist wirklich schön und beeindruckend; ich bin nicht ins Innere gegangen, denn dazu muss man die Karten Ewigkeiten vorher buchen und mein Interesse an klassischer Oper ist nach wie vor begrenzt. Die Außenansicht ist aber auch genug. Was man oft übersieht auf den Bildern ist die Position des Opera House: es ist mitten in der Hafengegend, die ganzen Hochhäuser im Hintergrund und sehr nah an Darling Harbour, wo sich das eigentlich Nachtleben abspielt. Erst mit diesem Hintergrund wird es etwas ganz besonderes, das Gebäude an sich verliert nach einer Weile eben doch seinen Reiz; starrt es nur lange genug an und ihr werdet schon sehen.







Opera houseOpera House2Opera House3

Couchsurfing funktioniert nicht nur mit Leuten, die aus unterschiedlichen Kontinenten kommen und auf Durchreise sind. Auch Leute, die in derselben Stadt wohnen, treffen sich und bilden kleine, lokale Couchsurfing-Netzwerke (horizontales couchsurfen, sozusagen). Davon konnte ich mich gleich am ersten Tag überzeugen als es am Abend mit zehn Leuten in die Nachtszene Sydneys ging. Sehr nette Menschen, die sich, da sie schließlich in Sydney wohnen, enorm gut auskannten und mich in die besten Pubs mitgenommen haben. Einfach klasse und sehr merkwürdigen Geschichten: Nari, eine chinesische Französin, deren Stiefmutter Deutsche ist, war sogar in Stuttgart-Vaihingen während der WM, very random storry…
Sydneys Couchsurfer sind auf dem nachfolgenden Bild zu sehen.
(Lorenzo, Ashley?, Demian, Nari, Aaron, Mirjam, Moby aka Craig)

couchsurfers Sydney


Mit Mirjam, einer Krankenschwester aus Holland, die hier ein Jahr Work-and-Travel macht, bin ich am nächsten Tag nach Menley Beach gegangen, wo wir dann zusammen mit Lorenzo und Giotana den Tag verbracht haben.

Giotana and Mirjam

Giotana ist ein Italiener, der vor drei Jahren beschlossen hat die Welt mit seinem Motorrad und einem Ein-Mann-Zelt zu bereisen. So hat er in Italien seine Reise begonnen, ist über Osteuropa nach Asien gefahren und hat es dann über allerlei Umwege nach Australien geschafft, wo er jetzt für ein Jahr arbeiten will, da er Geld braucht für seine Weiterreise nach Südamerika. Wenn alles gut läuft, ist er vielleicht innerhalb der nächsten zwei Jahre zurück in Italien. Klingt interessant? Dann schaut euch erstmal Giotanas Homepage an...

Den Abend über habe ich dann bemerkt, dass in New South Wales das Pokerspielen erlaubt ist. Da an diesem Abend nicht zuviel los war, habe ich (natürlich) mein Glück versucht und bin bei einem der Turniere eingestiegen, im Jade Tavern in Chinatown. Das klingt jetzt mehr anrüchig als es war. Auf jeden Fall eine lustige Abendbeschäftigung bei der ich leider nichts abräumen konnte. Ich kam an den Final Table und war mit meinen Chips im vorderen Drittel, habe dann aber die Geduld verloren und bin All-In mit Ass-Bube unsuited, was in der Situation schon sehr fragwürdig war. Folgerichtig wurde ich gecallt, von einer schwächeren Hand zwar, die aber dann dennoch gewinnen konnte. Meistens ist es eben doch nur ein Münzwurf.

Nichtsdestoweniger, mir hat es gefallen und es bringt das eigene Spiel echt weiter mit halbprofessionellen Spielern zu spielen, die vielleicht nicht mit allen Wassern, aber wenigstens mit den Meisten, gewaschen sind.

Melbourne

(Bilder wie immer bei sevenload.)

Nach den Grampians ging es also nach Melbourne vom Ostermontag bis Donnerstag (12.04.) geblieben bin.

Meine Zeit dort habe ich in einem Backpackers Hostel verbracht, in der Nähe des Stadtzentrums.

Also hier ein paar Facts: Melbourne ist die Hauptstadt von Victoria, die zweitgrößte Stadt Australiens mit 3.7 Millionen Einwohnern und ist eine geplante Stadt, was sich am quadratisch unterteilten Stadtzentrum ablesen lässt.

Im Backpackers war es sehr interessant, man trifft schon sehr viele Leute aus aller Welt dort. Außergewöhnlich viele Deutsche, die auf der Suche nach sich selbst sind oder so, aber man konnte die, wenn man wollte, auch umgehen. Meine indischen Zimmergenossen haben zudem spontan beschlossen mich in die lokale Inder-Community reinzuadoptieren und wollten mir kaum glauben, dass ich nicht aus Bombay oder wenigstens Umgebung komme.

backpackers


Es ist überhaupt sehr amüsant für was ich schon alles gehalten wurde: Inder, Franzose, Italiener, Grieche, Iraker, Iraner, Österreicher, Spanier und ein paar andere an die ich mich nicht mehr erinnern kann. Ich werde das in Zukunft auf der linken Navigationsleiste festhalten. Insgesamt ist der Umgang mit Nationalitäten hier sehr relaxt, im Grunde interessiert es die Leute nur als Small-Talk-Thema, um ins Gespräch zu kommen und den fremdsprachigen Akzent einzuordnen. Eine sehr angenehme Atmosphäre zu Deutschland, wo es doch gelegentlich vorkommt, dass man in gebrochenen Deutsch angesprochen wird und Leute es kaum fassen können, dass der Deutsche nicht mehr Deutsch aussehen muss.

Es ist schon unglaublich, wie beliebt Australien zurzeit für Europäer ist. Amerika ist als In-Land abgelöst und jeder, absolut jeder hier, ist Experte in US-Politik und Sonderbotschafter für Dämonisierung der USA, fast schon widerlich wie sehr Leute es genießen den USA eine auszuwischen ohne auch nur annähernd über die kurzfristige Geschichte hinauszugehen. Interessantes dazu schrieb auch Andreas C. Lazar hier und hier...

Zudem widme ich ihm das nachfolgende Bild ;-)

scientology


Na ja, also den Rest der Zeit habe ich damit verbracht die Stadt zu erkunden, was auch sehr schön war. Melbourne ist völlig anders als Adelaide, hat Hochhäusern und riesige Modeboutiquen, viel eher wie eine Weltstadt also.
Was mich wirklich beeindruckt hat, waren die futuristischen (ich weiß, ich weiß, das Wort ist schrecklich, aber hier ists wahr) Bauten. Die Gebäude haben echt gewagte geometrische Muster und die Architekten hatten ihre helle Freude an Melbourne und sich da ordentlich ausgetobt. (Die Bilder gibts auch größer: einfach anklicken!)







melbourneskyscrapersSouthern Cross
Am Mittwoch habe ich Lucy getroffen, meine Mitbewohnerin aus Adelaide, deren Eltern in Melbourne wohnen und die mich ein wenig durch die Stadt geführt hat. Melbourne ist eine Stadt durch die man wirklich geführt werden muss. Es gibt unzählige Seitengassen, die man nie betreten würde, die aber vollgestopft mit kleinen, gemütlichen Restaurants und Cafes sind. Die sieht man nur, wenn man weiß, dass da was ist. Dieselbe Regel gilt für Night-Clubs, die kaum Werbung machen und die in den Seitengassen gezielt angesteuert werden müssen. Man muss also ständig auf dem Laufenden bleiben, um die angesagtesten Clubs zu kennen.






SidewayMall
Dominant ist auch das Crown-Casino, das Größte in der südlichen Hemisphäre (die Worte aus der Werbebroschüre), in dem unter anderem No-Limit Texas Holdem gespielt wird. Und als ich da war, gab es ein Free-Satellite-Tournament für einen Platz in der World Series of Pokers 2007 in Las Vegas. Ich wollte natürlich mein Glück versuchen und mitmachen, aber leider hatte ich meinen Pass nicht mit und ohne war die Anmeldung nicht möglich. Schade, schade,…(Die Bilder gibts auch größer: einfach anklicken!)





CrownCrownCrown
Das gute war aber, dass dort ich Scotty (von dem ich leider kein Bild finden kann) getroffen habe, der mich dann ein wenig in das Nachtleben Melbournes eingeführt hat und mir die Gegend gezeigt hat. Eine sehr spontane Sache, die typisch für die Menschen hier ist: einfach mal jemand Fremden die Stadt zu zeigen, wäre eine ziemlich seltene Sache für Deutschland…

Aber Deutschland ist nie ganz fern, denn ich durfte die Expansionsgelüste von ALDI bewundern:


ALDI


Insgesamt hat mir Melbourne gefallen und die Stadt ist schon ausgefallen und es gibt einiges zu sehen. Insbesondere funktioniert hier das öffentliche Transportsystem wesentlich besser als in Adelaide. Es ist schon angenehmer eine Straßenbahn zu nehmen, die auf die Minute ankommt als einen Bus mit plus minus fünf Minuten Varianz in der Ankunftszeit, wie es üblich ist in Adelaide. Dadurch, dass ich im Backpackers war, habe ich nicht zu viele Leute aus der Umgebung getroffen, was ich etwas schade fand, da man dadurch mehr als die Touristenattraktionen einer Stadt zu sehen bekommt. Aber gut, ich gebe Melbourne auf jeden Fall eine zweite Chance und werde es mir noch mal genauer anschauen.

Es ging dann am Donnerstagabend mit dem Zug in einer 14-Stunden-Fahrt nach Sydney.




Grampians






Wenn auch mit Verspätung, komme ich zu den versprochenen Reiseberichten.

Nachdem ich also einige Woche im Indoor Climbing Gym in Holden Hill trainiert habe, wurde ich gleich zu den Grampians geschleppt, wo ich mich dann an richtigen Felsen versuchen durfte.

Das ganze ist lächerliche 430 km von Adelaide entfernt, also quasi ein Nachbarort für australische Verhältnisse. Wir haben nur fünf Stunden gebraucht. Insgesamt waren wir 20 Leute.

Aber Vorsicht! Die Grampians liegen in Victoria, wir mussten als die Grenze überqueren, was sehr deutlich hervorgehoben wurde (siehe „World Cities“ Artikel). In Victoria ist das Bier anders (schlechter natürlich…), die Hauptstadt ist Melbourne und da sind die Menschen unfreundlicher und kühler als in Adelaide. Ich sollte mich also auf das Schlimmste gefasst machen.
Die Fahrt war sehr angenehm, neue Leute und nette Gespräche über Gott und die Welt.

Am Karfreitag Abend angekommen, ging es auch gleich los mit Klettern an einer nahe gelegene Bouldering Wand. Bouldering ist Klettern ohne Seil, das heißt man ist sehr nahe am Boden und es kommt hauptsächlich auf Technik an. Als Anfänger geht man da schon nach ein paar Minuten. Es ist eben nicht so einfach sein Körpergewicht mit einem Arm hochzuziehen, wobei kleinste Unebenheiten als Halt für die Hände vollkommen ausreichen. Die Leute, die das können, haben Oberkörper wie manch prominenter Bodybuilder. Sehr beeindruckend!






Danach ging es zurück zum Campingplatz, woraufhin es sehr bald dämmerte, was ganz wunderbar war!
Denn noch nie habe ich einen dermaßen klaren Sternenhimmel gesehen. Die Sterne waren so unglaublich deutlich zu sehen, dass einem fast den Atem geraubt hat. Die Milchstraße ging über den ganzen Himmel und war richtig als Bandwahrzunehmen. Das Southern Cross (was sich auf der australischen Flagge befindet), die große Magellansche Wolke und Orion (im April!) waren zu sehen, sowie alle möglichen anderen Sternbilder, die ich nicht identifizieren konnte. Ein wirklich herrlicher Anblick.

Irgendwie wird einem da klar, warum Menschen immer so fasziniert zu Sternen geblickt haben. Bei uns ist das gar nicht mehr so ohne weiteres möglich, weil überall Licht ist und es kaum einen so abgelegenen Platz gibt, um mal in Ruhe die Sterne zu beobachten. Nach einer Weile kam auch der Mond raus, der hell genug war,um viele Sterne zu überstrahlen, so dass die Milchstraße nicht mehr so gut sichtbar war.
Das ganze durfte ich noch die nächsten zwei Nächte bestaunen. Seltsamerweise bin ich jetzt wieder versucht ein Teleskop zu kaufen.


Am Samstag ging es dann zu einem nahe gelegenen Felsen, wo wir dann mit Seilen geklettert sind. Das heißt, ein erfahrener Kletterer ist den Felsen an einer sehr einfachen Stelle hinaufgeklettert (ja, ohne Sicherung) und nimmt ein Seil mit. Wenn es keine einfachen Aufstiege gibt, dann wird Lead Climbing betrieben: Zwei Kletterer haben ein Seil und der Erste nimmt Haken und Karabiner mit sich, befestigt diese im Felsen und hängt sein Seil dort ein, was ihn dann sichert. Der Zweite klettert dann mit demselben Seil nach oben, entfernt das Material aus dem Felsen und wird währenddessen von oben gesichert. Sokommt man zumindest theoretisch die meisten Felsen hoch.
Nachdem die Profis das Seil oben befestigt haben, durften wir Anfänger uns auch mal versuchen, ohne dabei gleich Kopf und Kragen zu riskieren.

Einen echten Felsen zu besteigen, unterscheidet sich stark von den künstlichen Kletterwänden. Das Gefühl an den Händen ist anders, viel kühler und härter; es gibt keine ausgezeichneten Kletterrouten mehr. Man darf alles benutzen, was einem in die Quere kommt, was anfänglich sehr verwirrend sein kann. Zudem ist es wesentlich befriedigender am Ende oben zu stehen und die Landschaft um sich herum zu sehen, als in einer Indoor Sporthalle.

Nach einigen Stunden ging es dann zurück zum Campingplatz und dort musste ich entsetzliches feststellen: Keine Duschen! Kein fließend Wasser, das Trinkwasser musste für alles herhalten, Zähne putzen, Gesicht waschen, Trinken, Kochen, einfach alles. Die Trockenperiode hatte uns wieder eingeholt.

Man stelle sich vor, dass wir jeden Tag mehrere Stundengeklettert sind, dass wir vollgeschwitzt waren und wir hatten keine Chance uns halbwegs zu reinigen. Das war echt hart, vor allem nach drei Tagen. Obwohl am Ende sich ein ironischer Humor eingeschlichen hat, da alle im selben Boot saßen. Am Abend gab es dann den obligatorischen Rotwein und das lokale Bier.



Das erste Wallaby konnte ich dann am Morgen sehen, als es versucht hat sich an unseren Essensresten zu verköstigen. Putzige kleine Tierchen, die durch die vielen Besucher ungewöhnlich zahm sind.

Trotz der langen Nächte ging es jeden morgen früh raus und der zweite Tag wurde an einer anderen Kletterwand verbracht.

Wobei ich hier noch eine kleine Sache einbringen möchte: Nachdem wir einige Stunden von der Kletterwand geschleift wurden, sind wir unseren Profiklettern zu einem nahegelegenen Sims mit darüberliegenden Kletterwänden gefolgt. Dazu mussten wir eine recht abenteuerliche Route hinter uns bringen, die querfeldein durch Gestrüpp und Büsche ging. Das war auch so weit in Ordnung.

Problematisch wurde es dann zum Schluss als die einzige Möglichkeit auf das Sims (ja, ich habe nachgeschaut. Sims hat ‚der’ und ‚das’ als mögliche Artikel) zu kommen ein hauchdünner Pfad war, der in mindestens zehn Meter Höhe lag. Das heißt also, dass man waagrecht klettern musste, ohne Absicherung!

Das klingt jetzt vielleicht ganz lustig, aber als ich da oben war, war es echt beängstigend. Man kommt schon ins Schwitzen und denkt über die Höhe nach. Es ist zwar alles gut gelaufen, aber ich hätte nicht gedacht, dass ich damit ein Problem gehabt hätte. Na ja, vielleicht ist das auch eine ganz gute Erfahrung.

Jedenfalls wurden wir mit einigen Kunststücken von den Profis beeindruckt und die Landschaft da oben war atemberaubend. Ich wollte da gar nicht mehr weg, vor allem wenn man bedenkt, dass es denselben Weg wieder hinunterging.

Der dritte Tag wurde, Ostermontag, dann wieder mit Bouldering verbracht, wo es dann zu einer Höhle in der Nähe ging. Dort waren dann die wahren Könner, die uns gezeigt haben, was möglich ist. Da steht man schon gelegentlich mit offenem Munde da. Ganz zu schweigend von der unglaublich schönen Landschaft in diesem Nationalpark.







sunset rock sunset2
Ich muss gestehen, dass es ein sehr seltsames Ostern für mich war. Es ist sehr seltsam für mich gewesen diesen Tag so zu verbringen. Es kam fast so was wie Heimweh auf, aber nur fast.
An dieser Stelle nochmals (verspätete) Ostergrüße an alle.
Das alles war zwar anstrengend, aber auf eine gewisse Weise auch sehr befriedigend.

Nach drei Tagen Dauersport hat zwar jeder Muskel geschmerzt, man hatte etliche Abschürfungen an Armen und Beinen. Dennoch (oder deswegen?) war es ein gutes Gefühl so gefordert worden zu sein.

Am Montag sollte es also wieder nach Adelaide gehen. Da es aber Mid-Semester-Break war und ich ohnehin vor hatte nach Melbourne und Sydney zu gehen, habe ich spontan beschlossen nicht den ganzen Weg zurückzufahren, da die Grampians ziemlich in der Mitte von Adelaide und Melbourne liegen.
Die nächste Station war also Horshum, einem größeren Ort in der Nähe, wo ich und andere von unserer völlig veratzten Reisegruppe ins Schwimmbad gegangen sind, zum Duschen.





Von dort habe es noch am selben Tag geschafft mit einem Truckdriver in einem Riesentruck nach Melbourne zu kommen. Sehr spannende fünf Stunden Fahrt.

Wir haben zwar kein Känguru überfahren, was mich endgültig zum Australier gemacht hätte, aber immerhin eine Fledermaus.

World Cities

Es ist sehr amüsant zu sehen, wie die Australier das Fehlen von Grenzen mit anderen Nationen, auf diese Weise versuchen zu kompensieren. Dazu benötigen sie nur sechs Bundesländer (South Australia, Victoria, New South Wales, Tasmania, Queensland und West Australia), zwei Territories (Northern und Capital Territory) und gelegentlich Neuseeland.

So mag Adelaide Melbourne nicht, weil die denen vor etlichen Jahren den Rang als wichtigste Stadt Australiens abgenommen hat. Viele in Melbourne hingegen wissen das gar nicht und sind überrascht, dass Adelaide überhaupt versucht zu konkurrieren, was die Adelaider wiederum aufregt.

Sydney (New South Wales) wiederum ist den Anfeindungen Melbournes ausgesetzt, da dies nur die zweitgrößte Stadt Australiens ist und Sydney liebend gerne den Rang ablaufen möchte.

Und der Feind meines Feindes ist… Die Adelaider mögen Sydney entsprechend.

Das ganze überträgt sich dann auf jede mögliche Sportart und alles, wo die Städte gegeneinander konkurrieren. Wenn also Melbourne gegen Port Adelaide Football spielt, kocht das Stadium und der Lokalpatriotismus kommt richtig in Wallung. Das ist sehr schön anzuschauen von außen.

Sehr interessant ist, dass diese ganzen Städtevergleiche auch eine Theorie für sich sind.

Es gibt bestimmte World Cities, die von Alpha- nach Gamma-Cities gerankt sind, wobei Größe, Einwohnerzahl, Finanzkraft, Politischer Einfluss und vieles mehr, eingeht.

So ist Sydney eine Beta-City, zusammen mit San Fransisco, Toronto und Zürich. Alpha ist so was wie New York, London, Paris, Frankfurt. Melbourne ist nur eine Gamma-City (wie auch Düsseldorf und München), was natürlich die ganze Debatte anfeuert. Adelaide taucht in der schmeichelhaften Kategorie „minimal evidence for a world city transformation“ auf.
Stuttgart weist immerhin "some evidence for a world city transformation“ auf.

Wie es mit den anderen Städten (Brisbane, Perth, Darwin,…) steht, ist noch unklar. Aber ich bleibe an dem Fall dran!

Dallas ist draußen

Großer Schock für alle Dirk Nowitzki Fans! Die Dallas Mavericks sind in der ersten Runde der NBA Playoffs gegen die Golden State Warriors rausgefolgen. Das ist unfassbar! Vor allem, wenn man bedenkt, dass Dallas die Regular Season an erster Stelle beendet hat und die Golden State Warriors gerade mal so überhaupt in die Playoffs gekommen sind. Schade, dass es schon wieder nicht klappt und leider wird Dirk auch nicht gerade jünger.
Mehr dazu hier...




Na ja, ich wollt das nur mal gesagt haben.

Reisepläne

Letzte Woche (Karfreitag, 06.04.) hat das zweiwöchige Midsemester-Break begonnen. Vom Mountain Club ging es daher erst einmal zu den Grampians, einem sehr schönen Nationalpark in Victoria.
Dort war ich bis Montag, woraufhin ich relativ spontan entschieden das nahegelegene Melbourne zu besuchen, wo ich bis Donnerstag abend geblieben bin.
Anschließend gings mit dem Zug nach Sydney gefahren, wo ich Freitag früh (7am) angekommen und bis Dienstag früh (6.30am) geblieben bin.
In einer zweitägigen Heimfahrt mit einer Mitfahrgelegenheit habe ich es wieder nach Adelaide geschafft, wo ich am Mittwoch abend angekommen bin.
Die Bilanz: Ca. 3000 abgefahrene km, einzigartige Eindrücke von Australiens Landschaft und Menschen.

Um das mal zu visualisieren, habe ich meine kompletten Grafikbearbeitungsfähigkeiten ausgepackt und eine grobe Reiseskizze mit den Entfernungen angefertigt.

Die ganze Route:



Die einzelnen Abschnitte:
Adelaide-Grampians (430 km)

Grampians-Melbourne (300 km)

Melbourne-Sydney (880 km)

Sydney-Adelaide (1370 km)


Details zu meinen seltsam wunderlichen, teils obskuren Abenteuern folgen innerhalb der nächsten Woche.

Bilder gibts aber jetzt schon:
Grampians
Melbourne
Sydney


Grüße
Michael

Mountain Club

Ich habe mit Klettern angefangen und bin daher dem Mountainclub der Uni beigetreten. Da ich das vorher nie gemacht habe, war es anfangs sehr ungewohnt für mich und äußerst anstrengend, obwohl es von außen nicht so aussieht.

Das Klettern ist jeden Donnerstagabend an einer Indoor-Kletterwand in Holden Hill (etwas abseits vom Zentrum).

Außerdem bietet der Mountain Club Hiken, Fahrradfahren, Kajaken und alles, was man in einem Zelt und draußen machen kann, an. Das heißt, es ist immer etwas los.

Außerdem werden regelmäßig Touren in die Umgebung angeboten: In die Berge Adelaides oder aber weiter weg, wie beispielsweise zu den etwa 400 km von Adelaide entfernt liegenden Grampians, einem riesigen Naturschutzgebiet in Victoria (praktisch ein Katzensprung für australische Verhältnisse).

Der Instructor heißt Derek und ist besessen vom Klettern. Von manchen als Hobbit verspottet, darf die Größe nicht darüber hinwegtäuschen, dass er die abenteuerlichsten Routen klettern und akrobatischste Bewegungen machen kann. Zudem ist er die berührungsfreudige Person, die ich jemals gesehen habe. Nichts und niemand ist vor seinen Umarmungen und Händen sicher, was ihm einen zweifelhaften Ruf bei den weiblichen und einen anrüchigen Ruf bei den männlichen Mitgliedern eingebracht hat.

Aber alles nicht so schlimm, wenigstens ist er zu allen so und darüber hinaus ein sehr netter Mensch, der sehr liebenswert ist (auf seine Weise).










Ostern

Keine Sorge, mir gehts gut.
Zur Zeit sind zwei Wochen Ferien und ich reise durch Australien.
Bilder, Berichte und mehr gibt es ab naechster Woche.


Frohe Ostern an alle!

Gliding

Bilder gibts wie immer bei sevenload.

In der Orientation Week hat sich der Gliding Club vorgestellt und spottbillig Segelfluggutscheine verschleudert. Das habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen und daher ging es letzte Woche am 18.3. in die Lüfte.
Nach 90 Minuten Fahrt um 8 Uhr morgens (an einem Sonntag!) kam ich in Barossa Valley an, das vor allem durch seinen hervorragenden Wein besticht und ansonsten durch eine Vorahnung dessen, was das Outback bedeutet.
Im Klartext: Der Segelflugplatz war absolut jenseits jeglicher Zivilisation, nur Schafe, Fliegen und unerträgliche Hitze.

Anekdote zu den Fliegen: Als unser Fluginstruktor die Sicherheitseinweisung gemacht hat, hat er eine Fliege in dem Munde bekommen, sie dann in einem Hustenanfall ausgespuckt und totgetreten. Die einzige Bemerkung dazu: Es ist besser, sie nicht zu verschlucken, weil sie sich den ganzen Weg runter durch die Speiseröhre bewegen und das ein sehr komisches Gefühl ist. Die Fliegenproblematik scheint hier also bestens bekannt zu sein.


Der Segelflugverein an sich war echt toll. Die hatten da eine schöne Hütte hingestellt mit Kühlschränken und allem, was man so jenseits der Zivilisation braucht. So ähnlich wie Pfadfinder, nur ohne das ganze Rumgelaufe.
Nach der Sicherheitsinstruktion und echt langem rumgewarte (es waren zehn Leute da), ging es dann in Luft, wobei ich nicht fliegen durfte, sondern das der Instructor gemacht hat, der hinter mir saß. Das ganze ist wie in der Fahrschule: Alle meine Steuerhebel sind mit den Steuerhebeln auf dem Zweiten Sitz gekoppelt, das heißt die Kontrolle liegt beim Hintermann.
In die Luft kommt man durch ein Kabel, das durch ein traktorartiges Fahrzeug auf der Landebahn ausgelegt wird. Anschließend wird die Kabelrolle mit einem sehr starken Motor gezogen, so dass der Glider anheben kann. In der Luft bleibt man durch thermischen Auftrieb. Man sucht also, genau wie die Vögel, Punkte, die einen durch aufsteigende warme Luft nach oben treiben. Findet man sie nicht, muss man wieder landen.


Fliegen mit einem Segelflieger ist etwas ganz anderes.
Der Glider ist relativ ruhig und man kann auf die Landschaft schauen und das richtig genießen. Es ist ein tolles Gefühl da oben zu sein, richtig fantastisch!
Insgesamt durfte ich zwei Flüge machen. Der Erste verlief sehr gemächlich und ruhig. Beim Zweiten wurde dann richtig Eindruck geschindet: Es wurde Luftakrobatik geboten.
Das heißt Loopings, Sturzflüge und Kreiselbewegungen. Richtig beeindruckend, dass man das alles mit einem unmotorisierten Flugzeug machen kann und sehr spannend, wenn man drinnen ist.


Das ganze ging dann bis zum späten Abend, so dass ich ziemlich fertig, aber sehr glücklich mit der neuen Erfahrung, daheim angekommen bin.
Es wäre sehr spannend (und recht billig) hier einen Segelflugschein zu machen, aber der Zeitaufwand ist einfach zu gewaltig. Segelfliegen ist mehr als ein Hobby: Man muss schon bereit sein einen Teil seines Lebens nur dieser Sache zu widmen, das heißt jede Woche rausfahren, stundenlang warten, um dann endlich in die Luft zu dürfen.
Ich kann die Leute, die das machen sehr gut verstehen, aber für mich kommt das derzeit nur als gelegentliche Option in Frage, weil es hier einfach so viele tolle Sachen zu machen gibt, die es bei uns nicht gibt (Segeln, Surfen, Klettern, …).
Aber wer weiß, vielleicht wenn ich wieder zurück bin…
Schließlich wurde mir erzählt, dass Deutschland das Mutterland des Segelfliegens ist.

Surfen

(Bilder zum Surfen und vieles mehr gibt es hier.)


Trotz aller Haiwarnungen und den Unkenrufen, dass ich hier mein Ende im Meer fände, war ich gestern (Sonntag) surfen.

Das ganze hat um 8:30 Uhr angefangen und die Fahrt dauerte 90 Minuten nach Middelton Beach, das etwas außerhalb Adelaides liegt und bessere Wellen hat. Die Leute waren echt lustig.

Einige davon kannte ich schon, weil die International Students ziemlich die gleichen Ideen haben, wie sie ihre Freizeit hier verbringen wollen.

Richtig lustig war Ken, einem chinesischen Malaien, der alle Eastern kannte und jeden chinesischen Film der letzten Jahre. Da war es ganz gut, dass ich in meiner Jugend so viele B-Movies angeschaut habe.

Beim Surfplatz angekommen, ging es erstmal in den Wetsuit, was nicht gerade einfach war und zu einigen Verrenkungen auf dem Platz geführt hat.


Danach gab es erstmal die Basics:

Legt euch auf das Board drauf, die Füße berühren das Ende. Dann über die Schulter die Wellen hinter einem beobachten, abwarten, dann loskraulen (nur die Arme benutzen) um die Geschwindigkeit der Welle besser mitzunehmen und sobald man in der Welle ist, ruckartig aufspringen. Den Standfuß hinten, den anderen möglichst weit vorne, den Körper so weit wie möglich nach unten, um die Balance besser zu halten und dann eine coole Surferpose einnehmen, um die anderen zu dissen. Ist die Stellung nicht richtig kippt man sehr schnell um.

Soviel zur Theorie…

Also in der Praxis war es dann nicht mehr so einfach. Es ist echt hart auf das Brett zu kommen. Und es hat eine Weile gedauert bis ich geblickt habe, dass man im Wasser nicht einfach auf dem Brett stehen kann, sondern man die Welle braucht, weil sie einem erst die nötige Stabilität gibt.

Nach einer Weile ging es dann und ich konnte die Wellen soweit abpassen, dass ich auf das Board kam; leider oft so, dass ich weggekippt bin.

Aber zweimal ging es super durch! Da kam ich oben drauf und habe den ganzen Weg zum Strand oben gestanden. Beim zweiten Mal konnte ich dann sogar durch Gewichtsverlagerung die Richtung steuern.

Ein super Gefühl, wenn man oben steht!

Zur Mittagszeit war das ganze dann auch beendet und wir sind essen gegangen.

Also ich gebe dem ganzen noch ein paar weitere Chancen und mache es mal weiter im Surfclub, der sich wöchentlich trifft, es macht auf jeden Fall Spaß und die Leute sind superfreundlich und offen. Man muss aber einen Preis zahlen: Muskelkater am ganzen Körper, sogar an Stellen, wo man keine Muskeln vermutet hat. Surfen ist anstrengend!

Wir haben dann noch ein wenig Victor Harbour angeschaut, das früher die Hauptstadt werden sollte und entsprechend ziemlich herausgeputzt wurde. Sehr schöne Gegend, die wir dann von „The Bluff“, einem Hügel in der Nähe, anschauen konnten (siehe Bilder).

Der Surfinstructor hat uns dann noch die besten Surfstrände in Australien empfohlen und es kam noch raus, dass im Film „Point Break“ (mit Patrick Swayze, Keanu Reeves) die Schlussszene, die im Film Bells Beach mit dem 50-Jahre-Sturm sein sollte, in Wirklichkeit in den USA (Oregon) gedreht wurde.

Außerdem kamen die Haie ins Spiel. Wie ja allgemein bekannt ist, sind Haie hier keine Seltenheit, denn sie leben hier. Siehe hier oder hier.


Es ist eben so, dass es diese tödlichen Angriffe gibt, aber die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist. Geringer als Autounfälle oder vom Blitz zweimal an einem Tag getroffen zu werden. Allerdings werden diese Vorfälle so hoch gespielt, dass die Angst bei den Menschen zusätzlich geschürt wird.

Lange Geschichte kurz: Es gibt Haie hier, macht aber nichts.

Oh, oh, nicht dass ich diese Sätze mal bereue…